Fotografen

Starfotograf Peter Segal

In den 1960er und 1970er Jahren galten B. Mjajetets, V. Plotnikow, J. Seidel, W. Soboljew, L. Bogdanow, N. Nikolajew, B. Golubowski, M. Rybalko, Ju. Tschigirew, P. Segal und einige andere als führende Modefotografen der Stadt an der Newa.
Viele von ihnen waren ansehnliche Persönlichkeiten, doch möchte ich Ihnen einen ganz besonderen Meister nahebringen: den Modefotografen Peter Segal, dem die meisten Fotografien auf der Seite www.kurakina-collection.com gewidmet sind.
Peter Segal wurde 1923 in Leningrad geboren. Seine Karriere begann er als Kunstfotograf an der „Leningradodezhda“ (Amt für Bekleidung und Schneiderhand-werk). Der hohe künstlerische Anspruch seiner Fotografien ließ ihn schnell in die erste Reihe der Fotografen der Sowjetunion jener Zeit aufsteigen.
Peter Segal hatte einen großen Anteil an der Gestaltung der Sowjetischen Modealben gehabt, was in jener Zeit nur ausgesuchten Meistern seiner Zunft vorbehalten war. Dank seiner Professionalität und der Fähigkeit, außergewöhnliche Modelle für die Modealben auszuwählen, erlangten diese einen hohen Bekanntheitsgrad in der gesamten Sowjetunion und stießen auf größtes Interesse. Er gestaltete zahlreiche Modealben für Bekleidung und Kopfbedeckungen, übernahm jedoch auch gelegentlich Aufträge des „Lengorispolkom“ (Leningrader Stadtrat) für die Bildgestaltung von Technik-Magazinen. Als Modefotograf war er herausragend, mit einem ausgeprägten Kunstsinn und einem tiefen Verständnis für die Besonderheiten dieser Kunstform.
Die Segals Alben konnten durchaus mit den Hochglanzmagazinen aus dem Westen konkurrieren, die zu jener Zeit nur mit Devisen erstanden werden konnten und lediglich in einigen Exemplaren der „Modeindustrie“ zugänglich waren, verbleibend in den Händen von wenigen dortigen Perspektivmodeschöpfer. Die originellsten Modelle aus den Zeitschriften wurden vervielfältigt und den Designern für dienstlichen Gebrauch ausgehändigt. Zu seinem Betätigungsfeld gehörten auch großformatige Fotografien zur Gestaltung von Schaufenstern, Modesalons und Schneiderateliers.
Neben seiner fotografischen Tätigkeit für die „Modeindustrie“ war Peter Segal auch als freischaffender Fotokorrespondent für eine ganze Reihe von Zeitschriften aus Leningrad und dem Leningrader Gebiet tätig. Über viele Jahre publizierte er seine Fotoarbeiten in den Zeitschriften „Lebensstil “, „Die Frau “, „Mode“ und „Unsere neuesten Modelle“.
Im Segals Lebenslauf lässt sich eine ganze Liste von Berufen und Tätigkeiten aufzählen, die er im Laufe seines Lebens als Zuschneider, Lederschneidermeister oder als Administrator eines Theaters ausübte, dennoch hatte er sich bis an sein Lebensende ganz der Modefotografie verschrieben.
Peter Segal modellierte in seinen Fotografien und galt als Ausnahmeerscheinung in diesem Metier. Die Mannequins erinnern sich noch daran, dass Peter Segal sehr genau verstand, wie trockene Studioaufnahmen langweilig, schwerfällig und manchmal auch unelegant wirken können. Für seine Außenaufnahmen konnte er sogar Busreisen nach Zarskoje Selo, Peterhof, Oranienbaum, Pawlowsk und auf die Jelagin-Insel organisieren. Er selbst bezeichnete diese „Dienstreisen“ als einen netten und angenehmen Ausgleich.
Hinzufügen möchte ich noch, dass Peter Segal, unser „Hoffotograf“ der sowjetischen Mode, einer der wenigen in der Sowjetunion war, der die zeitgenössische Mode in realen Fotografien wiedergab (als entwickelte Fotos ohne Hilfe des Offset-Drucks).
Peter Segal starb am Schreibtisch in seinem Studio.

Ewgenija Hartleben-Kurakina